Eine kurze Geschichte des Tarot

Tarotkarten haben sich über Jahrhunderte aus Spielkarten, die um das Jahr 1370 von Händlern nach Europa gebracht wurden, entwickelt. Diese Karten wurden wahrscheinlich während des Mamlukensultanats in Ägypten geschaffen, ihr Ursprung wiederum liegt entweder im China der Tang Dynastie (618 bis 907) oder im koreanischen Silla‐Königreich (57 bis 935), man ist sich aber einig, dass die Quelle der sich in Europa immer weiter verbreitenden Spielkarten in Asien liegt.

 

Die Karten der Mamluken bestanden aus vier Farben: Polostöcke, Kelche, Schwerter und Münzen. In Europa, besonders in Spanien und Italien, wurden die Spielkarten immer beliebter und passten sich in der Gestaltung dem damaligen regionalen Geschmack an. Die Karten wurden schnell so beliebt, dass der Gebrauch von Spielkarten vielerorts per Gesetz verboten wurde.

 

Um das Jahr 1440 tauchten die ersten Kartenspiele in der uns vertrauten Form auf. Aus dieser Zeit stammten auch die Visconti‐Sforza‐ Karten, benannt nach zwei sehr wohlhabenden und einflussreichen italienischen Familien der Renaissance. Diese Karten bestanden aus 22 handgemalten Trumpfkarten, den Trionfi, und den 56 normalen Spielkarten und formten das Spiel Tarocchi. Anfang des sechzehnten Jahrhunderts entstand in Südfrankreich das Tarot de Marseille, welches bis heute eines der bekanntesten Tarotdecks ist.

 

Es wurde spekuliert, ob Roma aus dem Mittelmeerraum die Karten aus Ägypten mitgebracht hatten und diese Karten auch zum Wahrsagen benutzten, jedoch gibt es keinerlei Beweise für diese Theorie, die von Antoine Court de Gébelin, einem französischen Pfarrer, ins Leben gerufen wurde.

 

Erst im achtzehnten Jahrhundert wurden die Karten als Mittel zur Weissagung populär. Der Okkultist Etteilla, so nannte sich Jean‐Baptiste Alliette, gab den einzelnen Karten eine divinatorische Bedeutung. Mitte des neunzehnten Jahrhunderts brachte Antoine Louis Constant, bekannter unter dem Pseudonym Eliphas Levi, kabbalistische Bezüge in die Interpretation des Tarot de Marseille und nannte den Tarot den “Weg der Selbsterkenntnis”. Als dann der Hermetic Order of the Golden Dawn und die Theosophische Gesellschaft von Madame Blavatsky Interesse an Tarotkarten entwickelten, stieg deren Popularität rasant an. Viele zeitgenössische Künstler ließen sich vom Tarot inspirieren. Tarot war als Vermittler göttlichen Wissens und als Werkzeug zur Weissagung anerkannt.

 

Im Jahr 1909 veröffentlichte A.E. Waite seine Karten, gemalt von Pamela Colman‐Smith, die auf den Geheimnissen des Golden Dawn beruhen. Ein weiteres heute sehr bekanntes Tarotdeck malte Lady Frieda Harris zwischen 1938 und 1943 nach Anweisung von Aleister Crowley: das Thoth Tarot.

 

Dank der wachsenden Popularität des Tarot und der Verbreitung der Karten entstehen immer neue Interpretationen und auch Tarotdecks, die sich in den meisten Fällen an bekannte Decks, z.B. dem Waite‐Smith Tarot, anlehnen.